Mittwoch, 6. September 2017

Was ich aus meiner Nachabizeit mitnehmen kann


Im Juni 2016 habe ich die Schule beendet. Das ist über ein Jahr her und wenn ich jetzt an meine Schulzeit zurückdenke, kommt sie mir vor wie ein anderes Leben.
Noch nie hat sich ein Jahr so lang angefühlt, wie das Jahr nach dem Abitur und selten habe ich so viel für mich persönlich gelernt wie in dieser Zeit. Es war definitiv eins meiner schwersten Jahre und trotzdem bin ich unglaublich froh mich so entschieden zu haben, anstatt gleich mit irgendeinem Studium etc zu starten. Ich weiß genau, hätte ich anders gehandelt wäre mir immer die ,,was wäre wenn Frage“ im Kopf herumgekreist. Ich hätte mir immer Vorwürfe gemacht und mich gefragt, was wohl anders gelaufen wäre, wenn ich zunächst ein ,,freies“ Jahr verbracht hätte.
Jetzt stehe ich am Ende meiner Nachabizeit und kann guten Gewissens sagen, dass ich nun reif für ein neues Kapitel bin. Ich bin bereit alles hinter mir zu lassen, in eine neue Stadt zu ziehen und mit dem Studium zu beginnen, das ich mir für mich ausgesucht habe.
Und ich möchte all meine learnings aus diesem Jahr in die Zukunft mitnehmen und euch gerne daran teilhaben lassen.

Fremde Entscheidungen werden dich NIE glücklich machen 
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Diesen Satz gab es so oder so ähnlich bestimmt schon zig Male auf meinem Blog zu lesen, ich möchte euch dazu aber noch einmal zwei persönliche stories aus meinem Leben erzählen.
Die erste bezieht sich auf die Trennung meiner Eltern, die schon vor vielen Jahren stattgefunden hat. Seitdem habe ich wöchentlich meinen Wohnort gewechselt und habe immer eine Woche bei meiner Mutter und eine Woche bei meinem Vater gelebt. Das ging eine Zeit lang gut, bis sich im Laufe der Jahre immer mehr Krisen in der Beziehung zu einem Elternteil entwickelt haben. Zunächst hat sich mein Bruder von dem wöchentlichen Hin- und Her verabschiedet und seinen Wohnsitz dauerhauft auf einen Ort verlagert und im Laufe der Zeit ging es auch mir immer schlechter mit dem Wechsel.
Meine Familiengeschichte ist insgesamt etwas komplizierter, worauf ich nicht explizit eingehe, ich kann euch aber sagen, dass ich dieses wöchentliche Umziehen bestimmt zwei Jahre lang gegen meinen Willen mitgemacht habe. Aus Verantwortungsgefühl dem einen Elternteil gegenüber und aus Angst vor der Reaktion, wenn ich zugebe mich in dieser Konstellation nicht mehr wohl zu fühlen. In ,,normalen“ Trennungsverhältnissen ist die Entscheidung des Kindes, bei einem Elternteil zu leben, sicherlich nicht so ein großes Thema, wie es bei mir der Fall war..
Ich habe so lang wöchentlich meine Koffer gepackt, bis ich einen Punkt erlangt hatte an dem es einfach nicht mehr so weiter ging. Ich wusste, wenn ich jetzt nicht handle und meine Bedürfnisse ernst nehme, werde ich daran zerbrechen, so dramatisch das vielleicht für Außenstehende klingt.
Also habe ich das befürchtete Drama in Kauf genommen und mich zunächst durch ein paar Höllenwochen gekämpft, jedoch mit der Zeit immer mehr stillschweigende Akzeptanz für meine Entscheidung erhalten.
Und endlich war ich frei, hatte ein festes Zuhause und konnte mich so auf mein Abitur konzentrieren. Ich hatte die Entscheidung durchgesetzt, vor der ich nächtelang Angst gehabt habe und siehe da, mittlerweile ist das Verhältnis zu dem Elternteil wieder auf einem sehr guten Niveau angelangt.
Die zweite story bezieht sich auf zwei Praktika, die ich mir mehr oder weniger nicht selbst ausgesucht habe. Es gab Zeiten im letzten Jahr, in denen ich sehr ratlos war, wie ich sie am effizientesten für mich nutzen soll und wenn man selbst erstmal keine Idee hat, neigt man oftmals dazu Anderen die Entscheidung zu überlassen. Deshalb ist es zweimal zu der Situation gekommen, dass ich Praktikumsverhältnisse begonnen habe, die ich statt geplanter Dauer von drei Monaten, in beiden Fällen nach zwei Tagen schon wieder gekündigt habe. Und jedes Mal war es ein riesen act, der mit großer Enttäuschung einherging. Enttäuschung seitens der Person, die sicherlich guten Willens war zu meinem Besten entschieden zu haben und Enttäuschung über mich selbst, dass ich mich überhaupt in die Situation begeben habe.
Also habt keine Angst davor andere Menschen zu verletzten, nur weil ihr nach euren Bedürfnissen handelt, anfangs mag es vielleicht so sein und man muss die Enttäuschung der Anderen in Kauf nehmen, wenn ihr aber erstmal für euch selbst entschieden habt, wird das mit der Zeit auch euer Umfeld akzeptieren.

Du brauchst dich nicht für das zu rechtfertigen, was du bist

Wenn du etwas tief in deinem Innersten möchtest, dann lerne dafür einzustehen und rechtfertige dich
nicht ständig. Es ist ein gutes Gefühl ehrlich zu dem zu stehen, was man möchte und wie man selbst am besten lebt, ohne stets eine Begründung dafür abzugeben.
Ich möchte dir ein paar random gewählte Beispiele dafür nennen:
Du magst es vielleicht Sex mit verschiedenen Männern zu haben, ohne eine feste Beziehung einzugehen?
Bist du vielleicht insgeheim gar kein Reisetyp, sondern willst nach dem Abitur lieber ein Fsj in deiner Heimat verbringen, auch wenn es sich nach außen hin nicht so ,,cool“ anhört?
Ist es dein Traum Autorin/Schauspielerin etc zu werden, wo dein Umfeld doch meint du sollst Bwl studieren?
Gehst du im Urlaub lieber früh ins Bett um etwas vom Tag zu haben, anstatt jeden Abend zu feiern?
Erfüllt dich Feiern vielleicht gar nicht, sondern führst du lieber philosophische Gespräche?
Trinkst du morgens lieber Kakao, an Stelle von grünen Smoothies?
Schminkst du dich im Alltag gern stark und wirst dafür kritisiert?

Tu all das was dich glücklich macht, auch wenn die Gesellschaft dir vermeintlich etwas anderes vorschreibt. Und das Wichtigste - rechtfertige dich nicht dafür, wir sollten nie vergessen, dass man uns allen nur ein Leben geschenkt hat.

Reisen lohnt sich um herauszufinden, was du nicht willst – und im Gegenzug zu erkennen, was du willst

Nirgends sonst lernst du so viele verschiedene Menschen und Lebensstile kennen, wie wenn du auf Reisen bist. Deshalb rate ich dir erstmal dazu, dir gut zu überlegen mit wem du reist, wenn du nicht vorhast es allein zu tun. Denn wenn die Erwartungen und Interessen deines Reisepartners nicht mit deinen übereinstimmen, kann die Situation schnell heikel werden.
Viele Momente auf meinen Reisen habe mir die Augen geöffnet, weil ich oftmals erkannt habe, dass jenseits meiner Vorstellungen noch ganz andere Arten und Weisen existieren, wie man ein Leben gestalten kann.
Reisen ist meiner Meinung nach vor allem sinnvoll, um bewusst über die verschiedensten Blickweisen und Möglichkeiten zu werden, die dir das Leben bietet. Je mehr du dich mit anderen Menschen unterhältst und wenn du stets neugierig und weltoffen bist, merkst du ganz schnell, wer und was dich inspiriert und auch womit du dich gar nicht identifizieren kannst. Oftmals können einen solche Erkenntnisse auch ganz schön verblüffen, zumindest ging es mir so.

Zu wissen was man nicht will, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung

Wissen was sie wollen tun die Wenigsten, meistens haben wir aber eine genaue Vorstellung davon, wie unser Leben auf keinen Fall aussehen soll.
Oft ist schon ein Anfang damit getan sich die Dinge bewusst vor Augen zu führen, die uns mit Sicherheit nicht wünschenswert erscheinen, um dann im Umkehrschluss vielleicht herauszufinden, was davon dem Gegenteil entspricht.

Praktika lohnen sich in jedem Fall

Auch zu dem Punkt kann ich dir eine persönliche Geschichte erzählen. Über lange Zeit habe ich geglaubt, es wäre mein Traum streetworkerin zu werden und Menschen mit Problemen neue Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen.
Also habe ich mich informiert welche Streetworkerstellen es in meiner Stadt gibt und wo ich die Möglichkeit habe, mir einen Einblick in die praktische Arbeit eines Streetworkers zu verschaffen.
Und schon nach dem ersten Arbeitstag, den ich live miterlebt habe war mir klar, dass diese Arbeit hauptberuflich überhaupt nichts für mich wäre. Und diese Erkenntnis hat sich mit zunehmenden Eindrücken aus dem Berufsfeld der sozialen Arbeit immer mehr bestätigt.
Hätte ich diese praktischen Erfahrungen nicht gemacht, würde ich mich nächsten Monat höchstwahrscheinlich in einem Studium der sozialen Arbeit befinden und etwas verspätet feststellen, dass mein vermeintlich richtiger Berufsweg, mir in Wahrheit gar nicht entspricht.

Du hast im Leben immer zwei Optionen
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Egal in welcher Lebensphase du dich befindest, egal welchen struggle du gerade durchmachst, letzten Endes hast du immer die Wahl für welchen Weg du dich entscheidest.
Entweder du gibst dich deinem ,,Leid" hin, versinkst darin und siehst dabei zu wie dein Elend immer größer wird, während deine Kraft und Lebensfreude immer mehr verschwinden -
Oder du siehst das ganze als Challenge für dich selbst an, lässt dich nicht unterkriegen, lernst gewisse Dinge zu akzeptieren und gibst weiterhin dein Bestes. Wenn es einem gerade schlecht geht, will man dieses hippimäßige Blabla oft nicht hören, realistisch gesehen gibt es aber eben nur diese beiden Optionen oder?
Ich habe gelernt, dass man mit Variante zwei stets besser fährt!


Kommentare:

  1. Hallo liebe Amanda und danke für diesen wunderbaren Text!
    Mein Abitur liegt jetzt tatsächlich schon sechs Jahre zurück und ich kann mich kaum noch daran erinnern. Aber als ich deinen Text gelesen hab, kamen viele Gefühle in mir hoch. Diese Ungewissheit, nicht zu wissen, ob man sich für dasRichtige entschieden hat und die Sorgen umdie Zukunft. Ich find ees so toll, dass du für ein Jahr Auszeit danach entschieden hast. Um dich selbst besser kennen zu lernen. Vor Allem Praktika zu machen, ist wirklich so wichtig, um Erfahrungen, wie du sie gemacht hast, selbst zu erleben. Das hilft einen später so viel weiter :)
    Und du kannst sehr stolz auf dich sein, dass du deine Entscheidung durchgezogen und umgesetzt hast. Das ist tatäschlihc immer sehr schwer, gerade wenn äußere EInflüsse einem etwas anders vermitteln wollen. Zu sich selbst zu stehen, wird einem am Ende aber dennoch glücklicher machen. Danke, dass du deine so ehrlichen GEdanken mit uns geteilt hast - sie geben ganz viel Kraft!! Bleib weiter so wunderbar!!!

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Mittwoch!
    Liebste Grüße an Dich! ♥ Saskia von www.demwindentgegen.de 

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    1. Vielen lieben Dank, das bedeutet mir viel!♥

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  2. Ich finde es wirklich klasse, dass du auf dein Gefühl gehört hast & genau das gemacht hast, was du für richtig empfunden hast. Ich habe nach meinem Abitur direkt eine Ausbildung begonnen und bin ebenfalls unglaublich glücklich darüber. Jetzt bin ich schon fast am Ende und danach kommt wieder etwas komplett neues auf mich zu. Ich freue mich schon sehr & bin gespannt was die Zukunft für mich bereit hält :)

    Liebe Grüße
    Measlychocolate by Patty
    Measlychocolate now also on Facebook

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  3. Was für ein schöner Beitrag! Ich habe nach dem Abitur ein halbes Jahr pausiert um herauszufinden, was ich wirklich will. Ich muss sagen, dass das für mich eine sehr schwere Zeit war, weil ich nicht wusste, wie ich überhaupt herausfinden sollte, was ich wirklich wollte. Und was du ansprichst ist so enorm wichtig. Ich hatte damals die Möglichkeit mit nach Australien zu gehen, ein Work an Travel zu machen. Ich habe es abgelehnt und mich danach sehr lange Zeit schlecht gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, ich hätte eine Chance verpasst. Irgendwann bemerkte ich, dass ich dieses schlechte Gefühl nur hatte, weil nach Australien zu gehen einfach nicht mein Traum war und ich aber immer dachte, dass man das von mir erwarten würde, dass das auch mein Traum ist.

    Einfach vielen Dank für diesen Beitrag!

    Liebst,
    Any | Echo Of Magic

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    1. Vielen Dank! Was du da schreibst kenne ich selbst nur zu gut, das ist glaube ich ein allgemeines Gesellschaftsproblem..

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  4. Hey, es ist so cool darüber zu lesen wie es anderen Menschen in der Zeit nach dem Abi ergangen ist.. ich mache mein Abi 2018 und habe noch keinen Schimmer was ich danach machen möchte und für mich fühlt sich auch alles so unsicher an, aber ich weiß jetzt schon dass ich in dieser Zeit auch viel lernen werde.
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

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  5. Hallo meine Liebe!

    Das mit dem wöchentlichen Umziehen klingt nach wirklichem Horror für mich. Und ich finde es super, dass du deinen Mut zusammengenommen hast und letztendlich doch das getan hast, was für dich das Richtige ist. Und das mit den Praktika kommt mir bekekannt vor. Eine ähnliche Situation hatte ich auch schon einmal. Es war nicht schön. Ich habe es durchgezogen, aber wie gesagt, es war nicht so cool.
    Auch wenn es nicht immer einfach ist, sollte man wirklich immer selbst entscheiden. Denn man selbst weiß nur, was das Richtige für einen ist.

    Bei deinen Beispielen musste ich oft an mich denken. Ich gehe im Urlaub zB immer lieber früher ins Bett, damit ich den kompletten Vormittag auch nutzen kann! Und ehrlich gesagt stehe ich auch auf diese philosophischen Gespräche und auf Kakao. Und früher habe ich mich nie getraut diese Dinge auszusprechen, denn dann kam immer dieser etsetzte Blick mit dem darauf folgenden: WAS? ich habe mich früher dann immer irgendwie versucht zu rechtfertigen aber inzwischen denke ich, dass es nicht mein Problem ist, wenn dieses meinem Gegenüber nicht passen sollte.

    Auch den Punkt mit den Dingen, die man nicht tun möchte ist so wichtig! Oh ich finde deinen Beitrag gerade wirklich total motivierend!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Anna :-)
    https://wwwannablogde.blogspot.de/

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    1. :D
      Danke, schön dass ich nicht die Einzige bin!:)

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  6. Danke für deine ehrliche und tiefgründige Meinung zum Thema Relgion. Schön das ich nicht alleine bin. Und ja sic zu bekriegen wegen seiner Religion ist wohl das unnötigste was es gibt. Meine Familie lebt auf den Philippinen, dort wo sich Muslime und Chrstine heute noch bekriegen!
    Und ich liebe solche tiefen Themen auf Blogs, bitte mehr davon.
    Meine Meinung, sei wie du bistt und verstelle dich nicht für andere.

    Ps. Wir haben nun im Kloster übernachtet/ in einer Buddhistischen Community, ich würde mich über deine Meinung freuen. Ich umarme dich aus Thailand, ab morgen geht es nach Indien. Grüße Laura

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  7. Wow, das sind echt schöne und so wahre Worte! Ich habe zwar mein Abitur noch nicht, aber durfte letztes Jahr ein Auslandsjahr am anderen Ende der Welt machen und es hat mir in so vielen Dingen weitergeholfen!
    Alles Liebe und noch einen schönen Sonntag,
    Hannah von DieLineladi || Instagram

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  8. Das ist so ein schön geschriebener Artikel! <3 Gerade Punkt 1 kann ich genau SO unterstreichen! :)

    Liebe Grüße,
    Sarah

    www.saritschka.com

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  9. Very interesting blog, I like it. Great post.

    Follow for follow? :)

    https://alexandarstanisavljevic.blogspot.rs/

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